Monday, December 15, 2008

Oh du fröhliche... Heimatzeit!

Ihr Lieben,

noch schnell ein paar Neuigkeiten von mir, bevor ich morgen endlich völlig verdient in den Flieger nach Europa steige! Seid ich aus Peking zurückgekommen bin, haben sich die Dinge hier richtig überschlagen. Erst einmal stand unsere Vorstandssitzung an, und mit ihr die „inoffizielle“ Eröffnung des German Centres – die offizielle hatten wir ja leider absagen müssen. Wir haben trotzdem eine ganz ansehnliche Besuchergruppe zusammen bekommen und eine schöne Veranstaltung auf die Beine gestellt – wenn man davon absieht, dass die Warmhalteplatten vom Buffet unsere Stromkreise vor nie gesehene Herausforderungen gestellt haben und darauf direkt alle Hufe von sich streckten, und wir die Besucher mit lauwarmer Spargelsuppe abspeisen mussten. Trotz der kleinen Startschwierigkeiten waren alle ganz zufrieden und wir haben ein paar hübsche Fotos für die Presseabteilung schießen lassen.

Meine Kolleginnen haben einfach ein viel hübscheres Büro-Outfit als ich!

Als wir dann auch noch die Besucher aus den Banken in Stuttgart und München wieder ins Flugzeug setzen durften, waren wir doch erleichtert, wieder im „kleinen Team“ arbeiten zu dürfen und auch mal vor zehn das Büro zu verlassen. Damit mir nicht langweilig wird, habe ich auch gleich einen ziemlichen Batzen Geld den Betreibern dieses Fitnessclubs dafür auf den Tisch gelegt, dass mich jetzt ein- bis zweimal die Woche Yoga-Lehrer, Laufbänder und Streckmaschinen quälen dürfen. Die Anmeldung im Sportbüro hat jedoch auch den unschätzbaren Vorteil, dass ich zumindest zweimal in der Woche so lang duschen kann, wie ich will – und nicht nur die zweieinhalb Minuten, für die der Boiler in meiner Wohnung warmes Wasser hergibt, trotzdem er vorher eine ganze Stunde Zeit hatte, mal so richtig Dampf zu machen.


Meine neue Folterkammer. Und ihr solltet erst die Musik hören!


In der Zwischenzeit habe ich auch für meine Freizeit ein paar bessere Gestaltungsmoeglichkeiten ausmachen können: ich habe es auf ein Jazzkonzert geschafft (und diesmal nicht von der Musikhochschule!), ein paar Freunde gefunden und sogar das ein oder andere Restaurant ausprobiert. Es lässt sich allgemein sagen, dass alles sehr schwierig zu finden ist, aber wenn man einmal anfängt, richtig zu suchen und sich ein Netzwerk aufzubauen, wird das Leben wesentlich leichter. So habe ich jetzt einen Supermarkt, aus dem man nicht nur so schnell wie möglich wieder rauskommen möchte und der sogar Fleisch und Butter führt, ein paar Mittagstischoptionen, wo es nicht nur die Wahl zwischen scharfem Burger und scharfer Pizza gibt, und viele Kontakte zu anderen Menschen in Delhi und Gurgaon, mit denen ich mich über den besten Fahrer, den Supermarkt, der Quark hat und den günstigsten Wein austauschen kann. Mit einer Australierin, die ich mittlerweile schon seit zwei Wochen kenne, war ich auch am Wochenende schon auf Tour und vorgestern auf einem ganz wunderbaren Markt für indisches Kunsthandwerk.



Meinem zweiten Fahrer musste ich leider diese Woche auch Adieu sagen. Nachdem vorgestern ein Mensch vor meinen Augen durch einen furchtbaren Unfall mit Fahrerflucht ums Leben kam, habe ich doch mal ehrlich zu mir sein und mir eingestehen müssen, dass mein Fahrer nicht sportlich, sondern richtig gefährlich fährt. Jetzt probiere ich es einmal mit jemandem, der hoffentlich ein bisschen mehr Erfahrung hat und auch ein paar Brocken mehr Englisch spricht.

Morgen geht’s noch einmal ins Büro und es werden an die Kollegen ein paar Aufgaben für die Weihnachtszeit verteilt, und spät abends heißt es dann ab zum Flughafen! Von Frankfurt steige ich in den Zug ins wunderbare Wernigerode, wo hoffentlich an Bahnsteig 1 jemand auf mich wartet, der mich dann nach Drei Annen Hohne fährt, mir dort einen Schierker Feuerstein vorsetzt und ins Bett verfrachtet, wo ich vorhaben, mindestens bis Silvester zu schlafen. Na gut, nicht ganz, denn am Wochenende ist Grosselternbesuch geplant, der auch schon seit langem ueberfaellig ist! Samstag oder Sonntag geht es dann nach Mainz und später Freiburg und wie ich höre, ist sogar in Österreich ein Zimmerchen für uns frei, wenn wir denn nur ein Auto mit Schneeketten finden. Ich freu mich unglaublich auf die ganze Familie, die frische Luft und ein Stückchen Normalitaet! Bis dahin schalte ich zurück auf einen meiner 100 Fernsehsender, auf dem gerade mit großem Ausrufezeichen angekündigt wurde, dass in Kürze eine Sendung startet, in der Schweine- und Rindfleisch zu sehen sein werden – „Viewer Discretion is advised“!

Allen, die ich bis Weihnachten nicht mehr sehe, wünsche ich ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch und freue mich darauf, euch im nächsten Jahr wiederzusehen!

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