Jetzt bin ich nur noch knapp acht Wochen in Indien – so schnell vergeht die Zeit! Um mich für das lange Durchhalten zu belohnen, hab ich mir am letzten Wochenende noch einen kleinen Ausflug in das Westin-Resort gegönnt – mit viel Grün, Massage, gutem Essen und einem schönen Pool! Die Anfahrt war wieder spektakulär und führt durch ein Dorf, dessen einzige Einnahmequelle der Betrieb von Paradewagen mit vielen Pauken und Trompeten zu sein scheint, und dann durch 10km Wüste – im Hotel selbst anzukommen ist ähnlich der Landung auf einem anderen Kontinent mit Stunden Zeitverschiebung. Leider kann ich die Tropensonne immer noch nicht so richtig einschätzen, weswegen es zu dieser vorher-nachher-Sequenz kam!
Meine Kollegen haben mich gefragt, was ich vermissen werde, und was mir auf keinen Fall fehlen wird, wenn ich wieder zurück in Peking bin. Also – auf keinen Fall fehlen werden mir
- der Geruch nach verbranntem Dreck und Diesel, der einen Tag und Nacht umgibt
- das Geräusch der ewig tuckernden Zweitaktmotoren und Generatoren, die auf allen Strassen in Zehnmeterabstand die monströsen Werbeflächen mit Strom versorgen und genau unter meinem Fenster an durchschnittlich zehn Stunden pro Tag für das labile allgemeine Stromnetz einspringen müssen
- der Geschmack nach Aniskonzentrat, das in Krümeln wie löslicher Tee nach jedem Essen gereicht wird. Von dem Geschmack der grünen Chili, die ich letztens für eine leckere Bohne hielt, will ich lieber gar nicht reden!
Aber welche Eindrücke nehme ich mit? Ich gebe zu, die Frage ist schon ein bisschen schwieriger. Aber auf der Hitliste sind sicherlich
- der Geruch nach frischen Chapattis, die zu fast jedem Mahl gereicht werden und mich oftmals vor der schlimmsten Schärfe retten
- der Geschmack von Paneer, indischem Käse, von der Konsistenz so ähnlich wie Halloumi und auf tausend Arten lecker mariniert
- ein Geräusch will mir partout nicht einfallen!
Heute verstecke ich mich den ganzen Tag zu Hause, weil sich direkt vor meiner Tür und in der ganzen Stadt seltsame Szenen abspielen: erwachsene Leute, betrunken und unter einer Menge Einfluss von Cannabis, das in Getränken verkocht wird, beschmeißen sich mit Eimern voller stinkender Farbpulver, schießen mit Wasserpistolen voll gefärbtem Öl auf nichts ahnende Passanten und tauchen besonders Unglückselige auch gerne mal in ganze Farbbottiche. Das Ganze nennt sich Holi und soll den Winter vertreiben (das haben wir bei 30 Grad im Schatten auch dringend nötig!) und geht auf irgendeine Geschichte zurück, in deren Verlauf ein Fräulein vor dem Tod durch Verbrennen gerettet wird (das wiederum ist dringend nötig, denn Verbrennen ist bei indischen Frauen zwischen 15 und 34 Jahren Todesursache Nummer Eins, fast immer in Verbindung mit „tragischen“ Küchenunfällen, wenn die Brautfamilie nicht genug Mitgift gezahlt hat). Lange Rede – kurzer Sinn: wir hatten gestern schon eine kleine Holi-Feier im Büro, bei der sogar die indischen Cousins der chinesischen Maultaschen auftauchten, und dem Treiben in meinem Hof schaue ich daher lieber aus sicherer Distanz zu!
Happy Holi euch allen!
























