Wednesday, March 11, 2009

Happy Holi!

Ihr Lieben,

Jetzt bin ich nur noch knapp acht Wochen in Indien – so schnell vergeht die Zeit! Um mich für das lange Durchhalten zu belohnen, hab ich mir am letzten Wochenende noch einen kleinen Ausflug in das Westin-Resort gegönnt – mit viel Grün, Massage, gutem Essen und einem schönen Pool! Die Anfahrt war wieder spektakulär und führt durch ein Dorf, dessen einzige Einnahmequelle der Betrieb von Paradewagen mit vielen Pauken und Trompeten zu sein scheint, und dann durch 10km Wüste – im Hotel selbst anzukommen ist ähnlich der Landung auf einem anderen Kontinent mit Stunden Zeitverschiebung. Leider kann ich die Tropensonne immer noch nicht so richtig einschätzen, weswegen es zu dieser vorher-nachher-Sequenz kam!


 
 
 
 
 



Meine Kollegen haben mich gefragt, was ich vermissen werde, und was mir auf keinen Fall fehlen wird, wenn ich wieder zurück in Peking bin. Also – auf keinen Fall fehlen werden mir

  • der Geruch nach verbranntem Dreck und Diesel, der einen Tag und Nacht umgibt
  • das Geräusch der ewig tuckernden Zweitaktmotoren und Generatoren, die auf allen Strassen in Zehnmeterabstand die monströsen Werbeflächen mit Strom versorgen und genau unter meinem Fenster an durchschnittlich zehn Stunden pro Tag für das labile allgemeine Stromnetz einspringen müssen
  • der Geschmack nach Aniskonzentrat, das in Krümeln wie löslicher Tee nach jedem Essen gereicht wird. Von dem Geschmack der grünen Chili, die ich letztens für eine leckere Bohne hielt, will ich lieber gar nicht reden!

Aber welche Eindrücke nehme ich mit? Ich gebe zu, die Frage ist schon ein bisschen schwieriger. Aber auf der Hitliste sind sicherlich
  • der Geruch nach frischen Chapattis, die zu fast jedem Mahl gereicht werden und mich oftmals vor der schlimmsten Schärfe retten



  •  der Geschmack von Paneer, indischem Käse, von der Konsistenz so ähnlich wie Halloumi und auf tausend Arten lecker mariniert
  • ein Geräusch will mir partout nicht einfallen!

Heute verstecke ich mich den ganzen Tag zu Hause, weil sich direkt vor meiner Tür und in der ganzen Stadt seltsame Szenen abspielen: erwachsene Leute, betrunken und unter einer Menge Einfluss von Cannabis, das in Getränken verkocht wird, beschmeißen sich mit Eimern voller stinkender Farbpulver, schießen mit Wasserpistolen voll gefärbtem Öl auf nichts ahnende Passanten und tauchen besonders Unglückselige auch gerne mal in ganze Farbbottiche. Das Ganze nennt sich Holi und soll den Winter vertreiben (das haben wir bei 30 Grad im Schatten auch dringend nötig!) und geht auf irgendeine Geschichte zurück, in deren Verlauf ein Fräulein vor dem Tod durch Verbrennen gerettet wird (das wiederum ist dringend nötig, denn Verbrennen ist bei indischen Frauen zwischen 15 und 34 Jahren Todesursache Nummer Eins, fast immer in Verbindung mit „tragischen“ Küchenunfällen, wenn die Brautfamilie nicht genug Mitgift gezahlt hat). Lange Rede – kurzer Sinn: wir hatten gestern schon eine kleine Holi-Feier im Büro, bei der sogar die indischen Cousins der chinesischen Maultaschen auftauchten, und dem Treiben in meinem Hof schaue ich daher lieber aus sicherer Distanz zu!


 
 
 



Happy Holi euch allen!

Wednesday, March 4, 2009

E primavera!

Schon zum zweiten Mal ist es nun dazu gekommen, dass ich meinen geplanten Kurzaufenthalt in Peking unfreiwillig verlängern muss. Vielleicht ein Zeichen?! In jedem Fall habe ich meiner notwendigen Visaverlängerung eine wunderbare Woche zu verdanken! Der schon zweite schottische Ball in diesem Jahr hat sein indisches Äquivalent bei Weitem übertroffen – mit lustigen Leuten an unserem Tisch, einer Spontanentkleidung beim Tanzen (Camille, merke: keine engen Kleider zum Schottenball!) und natürlich einer ganzen Menge Whisky, der bei so manchen Teilnehmern seine Spuren hinterließ!

 
 
  
  
  
 

Die restliche Zeit in Peking habe ich genutzt, um Freunde zu sehen, Pläne zu schmieden und viel nachzudenken – wie die meisten von euch wissen, überlegen David und ich ja momentan, wohin die Reise als Nächstes gehen sollte. Meine Zeit in Delhi geht in jedem Fall Ende April zu Ende, und danach läuft vorerst mein Vertrag in Peking weiter bis Mitte nächsten Jahres. Über mögliche Aufgaben unterhalte ich mich gerade mit unseren Kollegen in Peking und Stuttgart, aber so viel ist sicher – an Arbeit wird es nicht mangeln!

In Peking gab es außerdem noch zwei Highlights: die Verlobung meiner lieben Freundin Kathi und ihre Abschiedsparty vier Tage später! Ihr mittlerweile Versprochener hatte sich richtig ins Zeug gelegt, um ihr einen unvergesslichen Tag zu bereiten – mit Besuchen an allen Orten, die ihre Beziehung besonders beeinflusst haben, und dem absoluten Höhepunkt – ein romantischer Antrag über den Dächern der Hutongs, auf Davids Terrasse, im Kerzenlicht! Kathi allerdings alles dran gelegt, die Pläne zu vereiteln, so dass wir ihr am Ende sogar vorgaukeln mussten, ICH würde mich mit David verloben, weil sie partout nicht das Haus verlassen wollte! Am Ende war jedoch alles gut, Kathis Mascara gleichmäßig im ganze Gesicht verteilt und ihr Freund um eine ganze Menge Geld ärmer, aber tausendmal glücklicher! Das Ganze wurde standesgemäß beim Japaner gefeiert und mit Sake begossen, wie es sich gehört.
 
  
  
  
  
  
 

Zurück in Delhi, gab es wieder einen schönen Temperaturschock – von minus fünf auf fünfundzwanzig Grad in acht Stunden! Hier wird es mittlerweile am Tag wirklich ziemlich heiß, und ich bin inzwischen ganz froh über den kühlen Steinfußboden in meiner Wohnung. Die Hitze scheint auch dem Stromnetz zu schaffen zu machen, dass öfter ausfällt als je zuvor – im Durchschnitt über acht Stunden pro Tag. Da der Generator für meine Wohnanlage direkt unter meinem Fenster steht und mehrmals in der Nacht zu tuckern anfängt, als würde ein Traktor neben meinem Kissen stehen, schlafe ich mittlerweile nur noch mit Ohrstöpseln, obwohl ich die eigentlich ziemlich unangenehm finde – hat jemand eine besser Alternative? Und nein, den Kopf ins Kissen einzunähen zählt nicht ;-)