Am Wochenende stand auf dem Plan, mal die Gurgaoner Partyszene auszukundschaften.
Daher ging es am Freitagabend zu allererst in eine so genannte „Mikrobrauerei“, in der Bier in Reagenzgläsern serviert wird, wovon es nicht besser schmeckt, und Menschen, die nicht mehr bauchfrei tragen sollten, zu Bon Jovi tanzen. Danach haben wir einmal geschaut, was denn unsere Altersgruppe so treibt, und uns auf die Eröffnung eines Clubs getraut. Auch dort wurde aus Reagenzgläsern getrunken, allerdings diesmal den guten alten Jägermeister, der durch Mischung mit irgendeinem Geheimcocktail zu einer blau leuchtenden Masse mutiert war und die Kundschaft des Clubs gut in Trab hielt. Das war auch bitter nötig, denn bis 10 Meter vor die Tür der Disko war an Unterhaltung nicht zu denken. Die Barkeeper waren daran offenbar schon gewöhnt und waren Meister in der Disziplin „lustiges Getränkewunschraten“. Da ich allerdings leider kein Fan von Jägermeister bin und auch nicht mehr als, naja, viereinhalb Minuten zu indischem Techno auf 90 Dezibel tanzen kann, habe ich den Grossteil des Abends im Garten verbracht, wo sowieso mit den Rauchern immer die interessanteren Leute stehen. Insgesamt bin ich glaube ich noch nicht zu 100% überzeugt, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich nicht genug Reagenzgläser hatte.
Am nächsten Tag gab es noch eine ganz typische indische Besonderheit: die Nachmittagsgeburtstagsparty. Da hier nie unter 1000 Gästen geheiratet wird, lässt man sich natürlich auch bei Geburtstagsfeiern nicht lumpen. Und wenn man sich die Miete von einem Nachtclub am Samstagabend nicht leisten kann, dann wird der halt am Samstagnachmittag gemietet! So fanden wir uns also nachmittags um zwei in einer hippen Disko in Gurgaon wieder, in die massenweise Tageslicht fiel, was jedoch den motivierten Freundeskreis von etwa fünfzehn Personen überhaupt nicht zu stören schien. Die sprangen laut schreiend über die Tanzfläche, und auch dort wurde mit Dezibel und starken Getränken nicht gespart. Als Ausländer waren meine Freundin und ich jedoch die absoluten Ehrengäste und durften auch als Allererste von dem Stück Kuchen abbeißen, von dem die ganze Gesellschaft essen musste und dessen Reste daraufhin großflächig im Gesicht und in den Haaren des Geburtstagskindes verteilt wurden. Pünktlich um sechs wurde der Laden geräumt und die hundert Luftballons wieder eingesammelt – wahrscheinlich für den nächsten Geburtstag! Als Abschluss gab es noch einmal den ohrenbetäubenden aktuellen Superhit „Oi, lucky lucky, oi!“ und eine Menge scharfes Essen, das wie immer in Indien in der letzten Minute aufgetischt und dann innerhalb von Sekunden vertilgt wurde – was sehr bewundernswert ist, wo es doch kein Besteck gibt. Nachdem ich also mit viel Mühe in drei Jahren erlernt habe, mit Stäbchen Reis zu essen, darf ich jetzt auf Finger umschulen – und dabei wird die Hand nicht in den Mund, die Zunge aber auch nicht rausgesteckt! Bleibt nur – werfen?
Am Samstagabend wurden wir von einem Nebel überrascht, wie ich ihn vorher noch nie gesehen hatte. Aus dem dritten Stock schaute man nur auf eine große weisse Wolke, und für 2km Heimfahrt hat mein armer Fahrer sich anderthalb Stunden Meter für Meter über den Asphalt testen müssen. Von der Strasse aus war keine der beiden Strassenseiten zu sehen – das wäre schon in Europa schlimm, aber stellt euch das mal mit tausenden freilaufenden Tieren vor!
Am Sonntag habe ich diese ganzen kulturellen Erfahrungen dann erstmal verdauen müssen – in möglichst neutralem Ambiente, das heißt hier im schönen Crowne Plaza Hotel beim Brunch, mit Meeresfrüchten und Prosecco, von zwölf bis vier Uhr nachmittags. Danach gab es eine schöne Shiatsu-Massage, Sauna und Dampfbad zum Ausklang des Wochenendes. So bin ich jetzt also total tiefenentspannt und lasse mich auch nicht mehr davon aus der Ruhe bringen, dass hier nach letzten Statistiken durchschnittlich zwölfmal am Tag der Strom ausfällt und ich deswegen auch morgens immer vom Dieselgenerator vor meinem Fenster geweckt werde, der den Zeitraum überbrückt, in dem alle Maschinen eingeschaltet werden.
Außerdem könnte es ja immer noch schlimmer sein! Die Kollegen von Lufthansa und KPMG zum Beispiel haben nicht halb so viel Glück mit ihrem Gebäude wie wir, sie sitzen und arbeiten nämlich schon seit Wochen in diesem schicken Hochhaus. Wir gehen das Ganze also mit der indischen Denke an: schau nicht dahin, was du nicht haben kannst, sondern dahin, wie schlimm es sein koennte!
Tuesday, January 20, 2009
Sunday, January 11, 2009
Lodhi Garden
Am Wochenende habe ich mir den Luxus gegoennt, insgesamt drei Stunden Fahrt fuer den Besuch eines schoenen Parks in (Sued-!)Delhi in Kauf zu nehmen. Die Entspannung, die die wunderbare Landschaft dort bot, war nach den anderthalb Stunden Anfahrt im zaehfluessigen Verkehr auch dringend notwendig. Dafuer erwarten den Besucher tolle alte Gebaeude aus der Zeit des Lodhi-Sultanats im 15./16. Jahrhundert.
Zwischen den Gebaeuden picknicken Hunderte von indischen Grossfamilien mit so viel Essen, dass ich mir vorstellen kann, dass sie gleich drei Tage am Stueck da bleiben. Ausserdem scheint der Park beliebter Treffpunkt junger Paare zu sein, die ja ansonsten auf der Strasse keinerlei Zaertlichkeiten austauschen duerfen. Nachdem ich mich in China schon daran gewoehnt hatte, von wildfremden Leuten eine Kamera in die Hand gedrueckt zu bekommen, die nicht etwa wollten, dass ich sie, sondern sie mich mit ihnen / ihrem Kind fotografieren koennen, hat mich die indische Variante doch umgehauen: hier wird man naemlich oefter mal gebeten, mit der eigenen Kamera ein Foto von wildfremden Leuten zu machen. Der Sinn der Sache bleibt mir noch verborgen, aber so kam zum Beispiel dieses huebsche, jedoch leider anonyme Paerchen auf meine Speicherkarte:
Ausserdem hat der Park eine schier unerschoepfliche Fauna zu bieten, die sich wahrscheinlich ueber die Jahrzehnte hinweg in einem gnadenlosen Ausleseprozess von den lebensgefaehrlichen Delhier Strassen in diese Oase gerettet hat; so kraechzt und pfeifts und vor allem, so hoppelt es in allen Ecken vor indischen Streifenhoernchen!
Das naechste Mal wird also auf jeden Fall die Picknickdecke eingepackt!
Sonst gibt es nicht viel Aufregendes zu berichten - ich verbringe die meisten meiner Tage mit Arbeit und meine Abende damit, auf meiner Couch unter der Bettdecke der Kaelte zu trotzen oder im Fitnessclub zu Umpa-Umpa-Musik auf der Stelle zu rennen. Eine nette Masseurin habe ich auch gefunden (interessanterweise massieren hier Masseurinnen nur Frauen, als Mann wird man immer von Maennern massiert. Sonst gaebe es zu viele Uebergriffe.); jetzt muss ich ihr nur noch beibringen, dass man auch bei diesem kalten Wetter nicht unbedingt an 20 Minuten Sauna noch 10 Minuten Dampfbad haengen muss, ohne zwischendurch kalt zu duschen - das scheint sie fuer den ultimativen Waermegaranten zu halten.
Monday, January 5, 2009
Jahreswechsel
Hallo alle zusammen,
zur Abwechslung gibt's heute mal überhaupt kein einziges Indienbild, sondern nur ein paar Erinnerungen an unseren wunderbaren Europaurlaub!
Begonnen mit konzentrierter Weihnachsstimmung im Harz, der mir nach den Wochen in Indien fast vorkam wie eine Landschaft in einer Schneekugel:
Silvester haben wir ganz beschaulich im schönen Tirol verbracht und waren dank der vielen Fahrerei und unserem Muskelkater auch schon halb eins im Bett – es muss ja nicht immer das volle Programm sein!
Nach Indien bin ich gut zurückgekommen, vor allem, weil der einzige freie Platz im Flugzeug direkt neben mir lag und zudem der Rückflug fast 2 Stunden kürzer ist als der Hinflug nach Deutschland (na? dank welcher Kraft?). Hier ist es dafür ganz schön kalt geworden in der Zwischenzeit – bis zu 5 Grad in der Nacht, weswegen sogar viele Schulen geschlossen haben, weil hier kein Gebäude Heizungen hat. Zu Hause schließe ich mich daher meistens mit meinen beiden Heizlüftern im Wohnzimmer ein und verlasse meinen Couchplatz nur in absoluten Notfällen.Sollte ich doch einmal auf die Strasse müssen, hat mir meine Yogalehrerin einen tollen Trick verraten: Man dürfte einfach nur durchs rechte Nasenloch einatmen, dann würde einem ganz warm!
Heut Abend wird ein neuer Japaner ausprobiert – drückt mir die Daumen, dass der Fisch nicht aus dem Ganges kommt!
zur Abwechslung gibt's heute mal überhaupt kein einziges Indienbild, sondern nur ein paar Erinnerungen an unseren wunderbaren Europaurlaub!
Begonnen mit konzentrierter Weihnachsstimmung im Harz, der mir nach den Wochen in Indien fast vorkam wie eine Landschaft in einer Schneekugel:
Von da ging es mit der Harzquerbahn, einer der deutschen letzten Schmalspurbahnen, nach Nordhausen. Offenbar halte nur ich das fuer ein absolut unvergessliches Erlebnis und war daher auch der einzige Passagier! Zum Glueck war gut geheizt.
Nach zwei erholsamen Tagen, in denen ich endlich die Gelegenheit hatte, mal ein paar Familienmitglieder wiederzusehen, dann die Weiterfahrt nach Mainz und ein Treffen mit Kathi und Julian, die auf dem Wegn zum Adventssingen dort Halt machten.
In Mainz gab es ausserdem eine schoene Christmette an Heiligabend, koestliches Essen, von dem ich bestimmt fuenf Kilo zugenommen habe, viel Schlaf, guten Wein und einen Kurzausflug in die Sonnenstadt Freiburg zu Davids Schwester. Weiter ging's bei meiner Familie in den schoenen Kitzbueheler Alpen, mit Huettengaudi und Skiausflug!
Silvester haben wir ganz beschaulich im schönen Tirol verbracht und waren dank der vielen Fahrerei und unserem Muskelkater auch schon halb eins im Bett – es muss ja nicht immer das volle Programm sein!
Nach Indien bin ich gut zurückgekommen, vor allem, weil der einzige freie Platz im Flugzeug direkt neben mir lag und zudem der Rückflug fast 2 Stunden kürzer ist als der Hinflug nach Deutschland (na? dank welcher Kraft?). Hier ist es dafür ganz schön kalt geworden in der Zwischenzeit – bis zu 5 Grad in der Nacht, weswegen sogar viele Schulen geschlossen haben, weil hier kein Gebäude Heizungen hat. Zu Hause schließe ich mich daher meistens mit meinen beiden Heizlüftern im Wohnzimmer ein und verlasse meinen Couchplatz nur in absoluten Notfällen.Sollte ich doch einmal auf die Strasse müssen, hat mir meine Yogalehrerin einen tollen Trick verraten: Man dürfte einfach nur durchs rechte Nasenloch einatmen, dann würde einem ganz warm!
Heut Abend wird ein neuer Japaner ausprobiert – drückt mir die Daumen, dass der Fisch nicht aus dem Ganges kommt!
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