Hier ein letzter kleiner Fotobericht, nachdem Elli und ich vorgestern von unserem wunderbaren Trip in den Himalaya zurückgekehrt sind.
Es hat uns in ein Camp am Ufer des Ganges verschlagen in der Nähe von Rishikesh – etwa fünf Stunden Fahrt von Delhi entfernt. Nach der traumatischen Erfahrung im Zug zum Taj Mahal haben wir uns diesmal die „Executive Chair Class“, also „Chefstuhlklasse“, gegönnt und es nicht bereut! Nette Herren mit Turban servieren wie im Flugzeug jede Stunde eine Mahlzeit oder ein Getränk, und wenn auch das Essen nicht immer ganz unseren Vorstellungen entspricht, schinden der meterbreite Abstand zum Vordersitz und die auf 18 Grad heruntergekühlte Klimaanlage schon gewaltigen Eindruck!


Rishikesh selbst ist, die die meisten Städte am Ganges, ein heiliger Ort und beliebtes Ziel für Pilger. Darunter sind auch eine ganze Menge Westler, die offenbar stark auf der Suche nach sich selbst sind und daher hartnäckig, in weiße oder bunte indische Gewänder gehüllt und mit Jutetaschen bewaffnet, die Erleuchtung suchen. Ein besonders tolles Exemplar, im früheren Leben vermutlich Zahnarzthelferin in Wuppertal, konnten wir anlässlich einer indischen Gebetszeremonie beim unmittelbaren Eintritt in die Trance beobachten. Von ihren indischen Nachbarn eher misstrauisch beäugt, klatschte Bernadette unglaublich enthusiastisch, und unglaublich aus dem Takt, und lächelte sich begeistert in die Weltseele hinein. Wir waren in dem Moment ganz dankbar, dass wir mit richtigen Problemen gesegnet sind. Auch ein kleiner Unsicherheitsmoment, ob wir uns eventuell auch suchen müssten, konnte rasch beseitigt werden, da Elli sich relativ problemlos kurzerhand in ihren eigenen Klamotten fand. Dennoch fanden wir, dass ein bisschen Heiligkeit auch uns sicher nicht schaden könnte, und schickten brav ein paar Blütenblätter und Kerzen den Fluss herunter, der in eben demselben Moment allerdings ziemlich unheilig von einem Traktor durchpflügt wurde.












Unser Camp war nach all diesen Farben eine Oase der Ruhe- zumal wir eine Grossteil der fünf Tage dort die einzigen Gäste waren. Die Hauptsaison ist schon vorbei, da das Thermometer mittlerweile tagsüber, wie in Delhi, gut über 40 Grad steigt, und es im Camp keinen Strom und damit auch keine Klimaanlage oder kühle Getränke gibt. Nachts fällt die Temperatur jedoch wesentlich tiefer als in der Hauptstadt und in unserem Zelt ließ es sich ziemlich gut aushalten. Der Ganges ist in den Bergen eisig kalt und damit auch eine gute Abkühlung – nicht so wie die Dusche, die aus einer in den Wald gehängten Blechtonne bestand, die sich nachmittags ordentlich aufheizte. Die meiste Zeit haben wir schön am Strand gefaulenzt, uns von superleckerem Tee zum Frühstück zum Mittagessen, Nachmittagstee und Abendessen gehangelt und uns große Mühe gegeben, jegliche Anstrengung auf ein Minimum zu reduzieren. Das Team im Camp bestand fast komplett aus Nepalis, die die Liebe zum Fluss quasi schon in die Wiege gelegt bekommen und uns Abend für Abend am Lagerfeuer mit spannenden Geschichten aus ihrer Heimat und Spielen, die eine christliche Reisegruppe ihnen vermacht hatte, unterhielten.












Natürlich stand auch eine Menge Rafting auf dem Plan – und das nicht, wie ich mir vorgestellt hatte, als eine Art Wildwasserbahn, wo man mal ein paar Spritzer abbekommt, sondern inklusive fieser Stromschnellen und Kentern! Spätestens nach dem Sicherheitsbriefing, bei dem tödliche Fehler erklärt werden und wie man am besten langes Schwimmen im eiskalten Wasser überlebt, wird einem schon ein bisschen anders. Die Fahrt durch die meisten schwierigen Stellen, mit ermutigenden Namen wie „Double Trouble“ und „Rollercoaster“, haben wir dennoch gut, aber klitschnass überstanden. Auch die Typhus-Impfung hat sich endlich mal gelohnt in einem Gewässer, an dessen Ufern nicht nur täglich Tote verbrannt werden, sondern in dem auch in dieser Gegend gern mal ganze Leichen schwimmen, deren Familien sich die Verbrennung nicht leisten konnten. Unsere fortgeschrittene Rafting-Tour am zweiten Tag bescherte uns dann eine Stromschnelle mit dem bezeichnenden Namen „The Wall“, die auf uns auch genau diesen Effekt hatte und alle sechs Insassen in alle Winde katapultierte. Ein kleiner Panikmoment kommt doch auf, wenn man nicht mehr weiß, wo vor lauter Wasser oben und unten ist und wie tief einen die donnernden Wellen noch drücken können. Aber zum Glück hatten wir immer genug Sicherheitskayaks dabei, die uns gleich wieder eingesammelt haben. Und zur Not wissen wir natürlich auch alle, dass der Ganges der direkte Weg ins Nirvana ist!

Zurück in Delhi, steht für mich noch ein bisschen Arbeit und für Elli noch ein bisschen Touristenprogramm an – bevor am Freitag die ultimative Abschiedsparty steigt und wir am Wochenende wieder im Flieger sitzen. Ab nächster Woche bin ich also wieder auf meiner chinesischen und nicht mehr auf meiner indischen Nummer erreichbar.
Euch liebe Grüsse und bis bald!
Eure Nadine







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