Thursday, November 20, 2008

Dilemmatatata und tote Hunde

Langsam muss meine Wohnungssuche ein Ende finden. Gestern hat eine etwa hundertköpfige Kompanie Ameisen beschlossen, dass ich mein Hotelzimmer lange genug für mich allein hatte und Zeit zum teilen ist. Die Rezeption hat mich zwar sofort umgebucht, aber das ist wohl ein Zeichen, dass es trotz des täglich frisch gemachten Betts nicht angebracht ist, auf ewig in einem Hotel zu wohnen.

Hier in Gurgaon wird man vor eine schwierige Wahl zwischen Pech und Schwefel gestellt: Entweder, man bleibt in diesem staubigen, infrastrukturlosen Stadtteil und ist sogar für den täglichen Einkauf auf ein Transportmittel angewiesen, weil es keine Geschäfte gibt, die man erlaufen kann – und selbst mit dem Auto bleibt nur die Wahl zwischen den unzähligen Malls, in denen man zwar problemlos ein Diamantencollier, aber fast nie eine ganz normale Drogerie oder einen Supermarkt findet. Die Alternative wäre der Umzug nach Delhi, wo es Einkaufsstrassen, Cafes und Parks gibt – was aber von hier mindestens zwei Stunden Fahrt am Tag bedeutet. Trotzdem ich letzte Nach zum ersten Mal in meinem Leben davon aufgewacht bin, dass mir die Luft ausging (und ihr wisst, meine Lunge hat schon einiges mitgemacht!), tendiere ich fast zur ersten Option. Gestern habe ich mir auch eine Wohnung hier angeschaut, die ich gar nicht so schlecht fand – mit 2 Zimmern, Reinigungs- und Sicherheitsdienst und voll möbliert, in einer Hochhaussiedlung, die sogar einen kleinen eigenen Lebensmittelladen hat – da muss ich wenigstens nicht für drei Tomaten den Fahrer rufen! Wenn sich bis morgen keine besseren Optionen ergeben, werde ich mich wohl einfach dafür entscheiden – vielleicht kann ich ja am Wochenende schon umziehen und mich endlich „bei mir“ breitmachen!

Neben der Arbeit, die immer noch großen Spaß macht, gibt es ansonsten nicht viel zu berichten. An die vielen Tiere auf den Strassen gewöhne ich mich auch langsam – nur die toten machen mir immer noch Probleme. Allein auf meinem kurzen Weg zur Arbeit komme ich jeden Tag an vier halbverwesten Hunden vorbei, die direkt auf Augenhöhe auf dem Mittelstreifen liegen und manchmal von den hungrigen Kühen angeknabbert werden. Aber die Inder gehen ja auch mit ihren toten Menschen nicht gerade zimperlich um – die Anhänger des hier ansässigen Zoroastrianismus (eine Religion, die auf Zarathustra zurückgeht) legen ihre Toten über Tage hinweg auf speziellen Türmen den Geiern zum Fraß vor, um mit ihrem Leichnam nicht die Erde zu verunreinigen. Tote Babies werden auch von den Hindus gern in den Ganges geworfen, der quasi die Autobahn zum Nirvana darstellt.

Nächsten Donnerstag fliege ich nach Peking und freu mich schon sehr drauf, meine Freunde wiederzusehen. Wie mir zu Ohren kam, sind in meiner Abwesenheit sogar schon Dusch- und Pancakeparties in meiner Wohnung passiert, dem haltlosen Treiben muss natürlich jemand ein Ende bereiten!

Euch allen einen lieben Gruß und bis bald!

1 comment:

marsufun said...

Was heisst hier haltloses Treiben?
Wir haben die hehre Aufgabe uebernommen in Abwesenheit der Hauptmieterin nach dem Einlieger zu sehen und diesen bei Laune zu halten. Schliesslich wird es kalt in Beijing, was so allein ja auch kein Spass ist.
Das die Kaelte zudem zu grossflaechigen Wasserrohrbruechen und entsprechender (Dusch-)Wasserknappheit fuehrt, nimmt der Innenstaedter innerhalb des 2.Rings nur zu gern in Kauf, solange wir Asyl bei Euch im Speckguertel bekommen koennen. Wenn dann auch noch Pancakes zum Fruehstueck gereicht werden, ist auch das ueberlange Taxisuchen vor 9.00 Uhr versuesst.