eine kurze Meldung von mir am Ende dieser ersten Arbeitswoche.
Die Tage im Büro sind unglaublich spannend. Man weiß gar nicht zu schätzen, was es bedeutet, über eine gute Infrastruktur zu verfügen – und hiermit meine ich nicht nur Strassen (oder auch Straßennamen, die es hier auch nicht gibt), öffentlichen Nahverkehr und ein Netz an Geldautomaten. Was in Gurgaon fehlt, ist auch eine Infrastruktur der Informationen, und das erschwert Arbeit und Leben unglaublich.
Allein die Suche nach einer Sim-Karte für mein Handy hat mich drei halbe Tage gekostet (Denn hier darf nicht einfach jeder, der bezahlt, telefonieren! Wo kämen wir denn da hin?). Es gibt keine bewährten Serviceunternehmen, keinen Ansprechpartner für die Internetverbindung, keine zuverlässige Reiseagentur, und niemand kennt einen Druckshop, der Visitenkarten drucken kann. Immobilienagenten bieten ohne mit der Wimper zu zucken Wohnungen für 4000 Euro an und wissen genau, dass es so schwer ist, etwas zu finden, dass man auf sie angewiesen ist. Es gibt kein Magazin, das sich mit den Belangen und Bedürfnissen von ausländischen Unternehmen befasst, und kein Telefonbuch, in dem man nach einem Klempner suchen könnte. Von Ampeln, Polizisten oder ähnlichen Späßen wollen wir erst gar nicht reden! Das einzig verlässliche Netzwerk ist das der Malls, also Einkaufszentren, die, ja nach Ausführung, von internationalen Marken bis lokalen Supermärkten alle möglichen Geschäfte beherbergen. Ihr meint, da hätte es bestimmt auch eine Telefonkarte gegeben? Fehlanzeige… und selbst wenn, wäre mein Antrag daran gescheitert, dass ich keine drei Passbilder beim Einkauf mit mir trage.
Davon abgesehen bleibt zu berichten, dass Inder sich oft die Haare färben, was meistens lustig aussieht; ohne falsche Scham ihren Vollbart mit Haargel zementieren und das Ganze mit einem Haarnetz sichern, dass sie hinter die Ohren klemmen; mit Vorliebe ihre LKWs in allen Regenbogen bemalen; ziemliche Chauvinisten sind, einer Dame aber trotzdem (oder deswegen?) nie den Vortritt lassen; und ihre Strassen friedlich nicht nur mit Kühen, sondern auch einer Menge Wildschweinen, Affen, Ziegen und Eseln teilen.
Ich freue mich auf das Wochenende und darauf, hoffentlich bald ein „richtiges“ Zuhause zu finden, in dem ich mich ein bisschen breitmachen kann. Vom 27.11.-30.11. bin ich für den schottischen Ball wieder in Peking und hoffentlich ab dem 19./20.12. für die Weihnachtsfeiertage in Deutschland – voraussichtlich zwei Tage in Berlin und dann in Mainz und Freiburg bei Davids Familie.
PS: Ich würde euch wirklich gern ein paar mehr Fotos zeigen, aber aus irgendeinem Grund gestaltet sich das Hochladen von Bildern in diesen Blog als technische Unmöglichkeit. Ich werd versuchen, dafür eine bessere Lösung zu finden!

1 comment:
Ruf mal Deepak an... bin sicher, er oder seine Tochter oder Frau koennen Dir in ein paar Fragen weiterhelfen :-) Aber Achtung: Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gibt es nur 100%ig!
LG, V
PS: Dass man Passphotos fuer eine SIM-Karte braucht, hatte ich Dir doch erzaehlt?
PPS: Von wegen Bart und so... (maennliche) Sikh tragen traditionell auch immer ein Messer bei sich - Vorsicht mit Kritik, haha.
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