Monday, November 24, 2008

I get around!

Ihr Lieben,

Am Wochenende bin ich endlich wieder einmal aus Gurgaon entlassen worden und durfte die große weite Delhier Welt entdecken. Als allererstes stand natürlich Shopping auf dem Plan! Den Anblick einer zusammenhängenden Reihe Geschäfte hatte ich schon fast wieder vergessen, bevor ich den ersten Fuß auf den Khan-Markt gesetzt hatte. Das ist zwar auch keine pittoreske Ansammlung bunter Gewürz-, Tee- und Stoffstände, wie ich mir das in meiner naiven Vorstellung ausgemalt hatte, hat aber trotzdem seinen Charme. Dort reihen sich in zweigeschossigen Gebäuden verschiedenste Geschäfte aneinander – von Schneidern, Buchläden, importierten Delikatessen über Mode, Accessoires bis hin zu ganz wunderbaren Läden für Produkte aus handgeschöpftem Papier, in denen man leicht eine ganze Menge Geld lassen kann. Danach habe ich mir noch das Herz von Neu-Delhi, den Connaught Place, angeschaut – ein riesiger Platz, umringt von klassizistischen Einkaufsarkaden und einem bunten Gewusel aus Strassenverkäufern, Rikschafahrern, Bettlern und Stoffhändlern. Von dort wieder nach Hause zu finden, war trotz Fahrer wirklich nicht einfach, was vor allem an Neu-Delhis Stadtplanung liegt – die ist offenbar nach „Round round get around, I get around!“ angelegt worden, und ich sag euch, wenn man um zehn Kreisverkehre hintereinander gekurvt ist (und das auch noch linksrum!), dann wird einem ganz warm ums Herz!


Die Innenstadt von Neu-Delhi aus Vogelperspektive - mit ihren vielen, vielen Roundabouts

Am Freitag habe ich außerdem mal in die lokale deutsche Gemeinschaft reingeschnuppert, die sich, die Auslandshandelskammer und die deutsche Schule passenderweise in der ehemaligen DDR-Botschaft angesiedelt hat. Im Vergleich zu Peking, wo schon über 1000 Kinder auf die deutsche Schule gehen, ist das Grüppchen in Delhi mit knapp 100 Schulkindern recht übersichtlich, hält aber natürlich wie immer in der Ferne gut zusammen. Bei rheinhessischem Wein und Sauerkraut kam mir das Ganze auf jeden Fall schon gar nicht mehr so schlimm vor. Am nächsten Morgen musste ich jedoch lesen, dass in derselben Nacht in Gurgaon drei Menschen dadurch ums Leben gekommen sind, dass ein Bagger sie, während sie nachts auf dem Mittelstreifen schliefen (!), bei Bauarbeiten mit Erde überschüttet hat. Warum die Menschen hier auf der Strasse schlafen müssen – die Frage stellte sich der Journalist gar nicht.

Morgen kann ich endlich in meine neue Wohnung einziehen! Heute habe ich den Vertrag unterschrieben und Miete und Kaution bezahlt. Es wird also brandneue Fotos von allen Mängeln gebe, die ich wie immer erst nach dem Einzug festgestellt habe!

Gruß und Kuss!

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